Der verbotene Zauber

Früher war alles besser? Von wegen!
Schnappen Sie sich einen Haselzweig, gehen Sie raus in die Welt, spüren Sie die Energie, die er leitet, und vor allem: Genießen Sie die Freiheit, die Sie gerade ausnutzen! Denn es gab eine Zeit, da war das, was sie gerade tun, verboten…

In dunklen Zeiten, als das Gesetz noch in den Kinderschuhen steckte und man Streitigkeiten vor Gericht, die anders nicht lösbar waren, mit den Fäusten beilegte, gab es die Lex Ripuaria. Eine in lateinischer Sprache verfasste Gesetzessammlung, erlassen im 7. Jahrhundert mit Geltung für die damaligen sogenannten Rheinfranken. Neben weltlichen Angelegenheiten suchte jenes Gesetz auch Fragen der Natur zu regeln: So war der sogenannte Haselzauber verboten. Dieser umfasste nicht nur die erwähnten Spaziergänge mit der Wünschelrute, sondern auch das Abwehren von Hexen, bösen Mächten sowie Blitz und Donner mithilfe von Haselzweigen. Trotz der Restriktion hielten sich die abergläubischen Bräuche um die Hasel hartnäckig bis ins Mittelalter. Seit jeher ist die Haselnuss also der Strauch der Rebellen.

Dabei begleitet uns die kleine Nuss bereits seit frühesten Menschheitstagen. Man geht davon aus, dass die Haselnuss ihre weite Verbreitung in Europa und in angrenzenden Teilen Asiens umherwandernden Steinzeitmenschen zu verdanken hat, denen die Nuss als Nahrung diente.

Das tut sie übrigens noch heute: Geröstet, in Form von Krokant, in Nougat oder als Öl hat die Haselnuss, die auch unter Namen wie Waldhasel oder Zeller Nuss bekannt ist, einen festen Platz in unseren Küchen und Backstuben eingenommen.

Bei häufiger Anwendung verspricht speziell das Haselnussöl Steine im Körper zu lösen und soll sich auch zur Hautpflege eignen. Bei Krampfadern und Venenentzündungen wird zu einem Umschlag aus abgekochten Haselnussblättern geraten.      
Ganz allgemein gilt die Nuss und auch andere Teile des zur Familie der Birkengewächse gehörenden Strauches als überaus gesund: Im Frühling gesammelte männliche Kätzchen, jene etwa zehn Zentimeter langen, grüngelben Blüten, stellen einen beliebten Zusatz in Erkältungstees dar und haben eine schweißtreibende Wirkung.       
Die Nüsse selbst fördern die Gehirnaktivität und sind reich an Vitamin B und E sowie Kalzium, Kalium und Eiweiß. Nicht zuletzt können wir von den ungesättigten Fettsäuren in der Haselnuss profitieren, die einen positiven Einfluss auf die Funktion unseres Nervensystems haben und entzündungshemmend wirken.

Leider ist die Hasel nicht für jeden was – insbesondere Pollenallergikern macht sie in ihrer Blütezeit von Februar bis April den Frühling zur Qual. Ein einziges Kätzchen enthält bis zu 2 Millionen Pollenkörner. Da die Hasel anemophil ist, ihre Bestäubung also durch den Wind erfolgt, stecken jene Pollen praktisch in jeder Brise.

Des einen Leid, des anderen Freud: Zu finden ist die Haselnuss nahezu überall. Vor allem an Waldrändern und auf Lichtungen fühlen sich die bis zu fünf Meter hohen Sträucher wohl. Wer sich etwas aus den Nusskernen zaubern möchte, der ernte sie im Herbst und röste sie, damit sie länger halten und einen intensiven Geschmack entfalten.

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Wollen Sie mit uns mal in die Hasel gehen? Wir nehmen Sie mit auf unsere Kräuterwanderungen!

Lesen Sie sich ruhig noch ein bisschen Vorfreude an, bis es los geht.