Immergrüne Melodie

Sanft die letzten Saiten gezupft und noch einmal kräftig in die Tasten gehauen – fertig ist der Satz. Aufbrausendes Klatschen und Pfeifen sind die letzten Geräusche eines Abends voller Musik. Der Fokus des Lobes liegt vollkommen zurecht auf den Künstlern; Ehre wem Ehre gebürt, wie es so schön heißt. Nur lassen Sie uns heute einen Blick auf die gar nicht mal so stillen Größen der Abends werfen:

Schon nach dem ersten Ton war klar, ob die Instrumente taugen, oder nicht. Aus welchem Holz sie geschnitzt sind sozusagen. Anders als man annehmen könnte, kommt der beste Ton nicht unbedingt vom Ende der Welt, sondern mitunter direkt aus dem Wald nebenan: Im Instrumentenbau spielt Fichtenholz die erste Geige. Das aus dem langsamen Wuchs resultierende Verhältnis von Dichte und Elastizität verleiht dem Holz eine besondere Schwingungsqualität, die für einen guten Klang so unverzichtbar ist. Gut 200 Jahre braucht der vornehmlich in den höheren Lagen gedeihende Baum, um so zurechtzuwachsen.

Aber die Fichte macht nicht nur in der Musik von sich hören. Den alten Griechen etwa diente sie zum Bau ihrer Schiffe, weswegen sie sie als Baum des Poseidon ehrten. Und den Germanen war sie das Symbol des Schutzes und des Kraft, der – wohl aufgrund seines geradlinigen Wuchses – den Lebensweg zu weisen vermögen sollte.

Heutzutage ist der dichte Fichtenwald nicht selten Schauplatz von Märchen. Allzu gern bedienen sich Autoren der Wirkung des düsteren Waldes, durch dessen eng stehende Bäume kaum ein Sonnenstrahl gelangt, zum Ausschmücken ihrer Szenerien. Sätze wie „Knusper knusper knäuschen, wer knuspert an mei´m Häuschen“ haben damit gleich zweifach Konjunktur:

Der aufgrund seiner vielseitigen Nutzbarkeit häufig in künstlichen Monokulturen bewirtschaftete Baum fällt in den letzten Jahren vermehrt dem Borkenkäfer zum Opfer, der in die Schichten des Baumes hineinarbeitet. Obwohl die Fichte hinsichtlich ihrer Standortbedingungen relativ anspruchsarm ist, setzen ihr die klimatischen Bedingungen, allen voran langanhaltende Trockenperioden, stark zu. Geschwächt und nur mit einer verhältnismäßig dünnen Rinde ausgestattet, stellt sie für das invasive Insekt ein gefundenes Fressen dar, was zu einem massenhaften Absterben der Bäume führt.

Ein vorzeitiges Ende für einen Baum, der unter optimalen Bedinungen ein stattliches Alter von bis zu 300 Jahren erreichen kann. Dabei behält die immergrüne Fichte ihre Nadeln – je nach den äußeren Einflüssen – für etwa sechs bis 13 Jahre auf den Zweigen, bevor sie sie abwirft.

In ebenjenen Nadeln – insbesondere den jüngeren – stecken die vielseitig nutzbaren Heilkräfte der Fichte. Ein Bad mit einem starken Absud der Nadeln beispielsweise wirkt nicht nur beruhigend, sondern verspricht auch einen positiven Einfluss auf Krampfadern und Muskel- sowie Nervenbeschwerden. Überdies sorgen Fichten für eine heilsame Luftqualität. Verteilen Sie einfach ein paar Zweige in Ihrer Wohnung oder lassen Sie ein wenig Harz der Fichte in einem Topf mit Wasser kochen – hierdurch werden die ätherischen Öle der Fichte freigesetzt.

Verwendet wird nicht nur das Harz aus den jungen, noch grünen Zapfen, die im Frühsommer zu ernten sind, sondern auch das sogenannte Faulpech, das des Baumes Wunden schließt. Dieses wirkt entzündungshemmend und kann auch wie Kaugummi gekaut werden.

Nicht mehr wegzudenken ist die Fichte auch als Bestandteil vieler Hustenmittel und sie ist ein anerkanntes Hausmittel zum Lösen von Schleim. Für einen wärmenden, wohltuenden Tee gieße man einen Teelöffel frischer Sprossen mit einer Tasse heißen Wassers auf. Dank seines beruhigenden Effekts auf den Körper bietet er sich als idealer Begleiter vor dem Zubettgehen an.

Mit der Fichte im System und der letzten Melodie im Ohr lassen Sie den Tag langsam ausklingen – beruhigt und zufrieden, jetzt wo Sie wissen, wo die Musik spielt.

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Das Fichtigste ist, sich gut zu belesen – hier erfahren Sie mehr über unsere heimische Pflanzenwelt.

Das Kraut der Abergläubigen

Dreimal durch einen dreifach gewundenen Kranz aus Gundermann gemolken und jene Kränze anschließend dieser Kuh serviert: Auf diese Weise entlockt man einer wenig Milch gebenden Kuh wieder die gewohnte Menge Milch – so verspricht es jedenfalls der alte Glaube. Selbst Pest und Hexen sollte das Heilkraut wirksam vorbeugen können. Mit derartigen magischen Zuschreibungen und medizinischen Anwendungen, zwischen Weisheit und Aberglaube pendelnd, bewegt sich die Pflanze seit vielen Jahrhunderten durch die Volksheilkunde.

Ihr Name soll sich aus dem althochdeutschen Gund ableiten, was so viel bedeutet wie „Eiter“ oder „Geschwür“. Vielfach ist in der älteren Literatur von einer lindernden Wirkung bei Zuständen der Erschöpfung und einem vitalisierenden Einfluss auf den Stoffwechsel zu lesen. Besonders soll sich der Gundermann zur Behandlung langwieriger Krankheiten geeignet haben.

Nahezu auf dem gesamten europäischen Kontinent, in Teilen Asiens und Amerikas ansässig und das ganze Jahr über, sogar unter Schnee, zu finden, wird dem Kraut von Kennern auch heute noch eine gewisse Heilkraft nachgesagt. Das Lösen von Schleim, Stein und Harnsäure gehört dabei ebenso zu seinem Repertoire wie das Fördern einer gesunden Blasen- und Nierentätigkeit. Daneben besticht das Heilkraut durch die ihm eigenen ätherischen Öle und seinen Vitamin C-Gehalt.

Zur äußeren Anwendung dient der Gundermann, der auch unter Namen wie Gundelrebe und Erdefeu bekannt ist, vor allem in Form von Öl, welches sorgsam aufgetragen Linderung bei wunder Haut verspricht.

Nicht zuletzt findet der Gundermann, dessen sämtliche Bestandteile zu gebrauchen sind, auch in der Welt der Kulinarik seine Anhänger: Die frischgepflückten Blätter können wie Gemüse in etwas Butter gedünstet werden und eignen sich ebenso als Zutat in schmackhaft-natürlichen Salaten. Aufgrund seiner Bitterstoffe werden die gerebelten Blätter auch gern als Gewürz zur Hand genommen. Jenen Bitterstoffen verdankt der Gundermann auch seinen Einsatz als Konservierungsmittel von Bier in der Zeit bevor hierfür Hopfen zum Einsatz kam.

Wer es gern klassisch mag, der ist mit einem wohltuenden Tee der aromatisch-bitteren, mitunter an Minze und Lakritz erinnernden Pflanze gut beraten – hierzu gießt man zwei Teelöffel mit einer Tasse heißem Wasser auf und lässt sie für etwa fünf Minuten ziehen.

Für manche Tiere, allen voran Pferde sowie Nutz- und Nagetiere, sind einige Inhaltsstoffe des Gundermannes giftig, weswegen er in landwirtschaftlichen Kreisen regelmäßig als Unkraut angesehen wird. Im heimischen Garten jedoch gedeiht das Kraut in nahezu allen Böden an sonnigen bis halbschattigen Standorten, sodass man sich seiner vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten stets auf kurzem Weg bedienen kann.

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Mehr Kräuter, die Ihnen auf einer Wanderung mit uns begegnen könnten finden Sie hier.

Die Pflanze die Flügel verleiht

An Wegen und Ufern, auf Äckern und Weinbergen, vor allem aber im eigenen Garten – nahezu überall erkennt das findige Auge die Vogelmiere. Nur allzu häufig wird die kleine Pflanze aus der Familie der Nelkengewächse dabei irrtümlich für Unkraut gehalten. Spätestens seit seiner „Entdeckung“ durch Sebastian Kneipp wissen wir jedoch um die Qualitäten des Krautes.

So ist die von März bis November winzig-weiß blühende Vogelmiere Kennern in der Küche ein geschätzter Begleiter. Ganzjährig frisch verfügbar und praktisch direkt vor der Haustür wachsend, eignen sich die Blätter der Pflanze beispielsweise hervorragend als Salatgrundlage. In dieser Funktion schlägt sie den üblicherweise verwendeten Kopfsalat um Längen: Nicht nur begeistert sie durch ihren milden Geschmack, auch ihre wertvollen Inhaltsstoffe können sich sehen lassen: So enthält die Vogelmiere viel Kalzium und Magnesium sowie bis zu siebenmal so viel Eisen wie ein Kopfsalat. Ganz zu schweigen von ihrem hohen Vitamin-C-Gehalt: Schon 50 g der Pflanze können den täglichen Bedarf eines Erwachsenen decken.

Das macht die Vogelmiere, die auch unter Namen wie Sternmiere, Hühnermiere oder Mausdarm bekannt ist, zur beliebten Zutat in Kräuterquarks und Aufstrichen. Auch in grünen Smoothies macht die Pflanze eine gute Figur. Wird die Vogelmiere gekocht kann man sie wie Spinat zubereiten. Lässt man zwei Löffel der zerkleinerten Pflanze etwa zehn Minuten in einer Tasse mit heißem Wasser ziehen, so erhält man einen ebenso wohlschmeckenden wie wohltuenden Tee.

Auch heilende Wirkungen werden der teppichartig wachsenden Vogelmiere zugeschrieben. So soll die Pflanze, von der – angefangen von dem einzeilig haarigen Stängel bis hin zu ihren Knospen – sämtliche Teile verwendet werden können, bei Atemwegsbeschwerden helfen, und außerdem Linderung bei Schmerzen und Entzündungen versprechen. Zusätzlich wird ihr nachgesagt hustenstillend und schleimlösend zu sein.

Juckreiz und anderen Beeinträchtigungen der Haut soll beispielsweise durch Kompressen oder Bädern mit dem Kraut beizukommen sein. Bei schlecht verheilenden Wunden und Ausschlägen kann ein Umschlag mit frisch zerquetschten Pflanzenteilen helfen.

Nicht zuletzt ist die Vogelmiere allerdings auch Naturfreunden eine Gehilfin, denn an ihr lässt sich das Wetter ablesen: Man kann in den nächsten Stunden mit Sonne rechnen, wenn die kleinen weißen Blüten vollständig geöffnet sind.

Konservieren kann man die Vogelmiere am besten, indem man die im Halbschatten getrocknete Pflanze in Dosen oder Gläser abfüllt. Anschließend kann man sie auch einfrieren.

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Hier stellen wir Ihnen noch mehr interessante Pflanzen vor.

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Würziger Geheimtipp

Lieben Sie das Besondere?
Exotisches Aroma, würziger Duft und Wohlgeschmack – all das vereint die Kammminze. Ihren Ursprung hat die Kamminze im fernen Osten. Als Kulturpflanze gedeiht sie auf sonnigen Plätzen in unseren Gärten, auf Terrassen und Balkonen. Mit ihrer Würze und ihrem Aroma sendet uns die Kammminze Grüße aus der fernen Welt.


Currygerichten verleiht sie eine besondere Note. Geschmacklich erinnert die Kammminze an Dillblüten und -samen. Sie verfeinert Würzmischungen und Kräutersalze. In der experimentierfreudigen Küche gilt die Kammminze als Geheimtipp.


Ihren Namen hat die Kammminze von ihren gesägten Blättern, die sich im Herbst bunt färben. Die lilafarbenen Blüten öffnen sich von Juli bis spät in den Herbst hinein. Blätter und Blüten sind nicht nur essbar, sondern ergeben auch einen exotisch duftenden Tee.


Die Kammminze ist eine Bienenfreundin. Mit ihren duftenden Blüten setzt sie besondere Farbakzente und lockt die kleinen Honigsammler in unseren Garten. Auch Hummeln und Schmetterlingen ist sie eine willkommene Nahrungsquelle.


Für Gartenfreunde, Bienenliebhaber, experimentierfreudige Köche, wahre Gourmets und Menschen mit Fernweh ist die Kammminze Geschenk und Geheimtipp zugleich.
Lassen Sie sich von der Kammminze verzaubern!